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Über Josef Mühle

Dr. Josef Mühle-Hediger wurde am  9. Mai 1890 geboren und ist am 7. Mai 1950 gestorben. Seine Eltern waren Aloisia Mühle-Müller (01.06.1851-11.9.1930) und der Baumeister Josef Mühle. Der Vater und Baumeister Josef verstarb bei der Renovation von Schloss Mauensee an einer Lungenenzündung als der Sohn Josef 5 Jahre alt war.
Josef Mühle besuchte die Primarschule in Sursee und dann die Mittelschule in Sursee, Stans (vermutlich, weil sein Onkel dort gewirkt hat) und lernte an der Industrieabteilung der Kantonsschule Zug. 1911 begannen seine Studien in Architektur an der ETH in Zürich.
1914 war er Praktikant auf dem Bauplatz der SUVA in Luzern. Gleichzeitig mit seinem ETH-Studium belegte an der Universität Kunstgeschichte. Sein Interesse an der Kombination von Architektur und Kunstgeschichte führte zu spannenden Projekten, besonders beim Thema Kirchenbau.

Mit hoher Auszeichnung 1915 als Architekt diplomiert, widmete er sich bald darauf in Sursee seiner Dissertation «Die Baumeisterfamilie Purtschert und der Kirchenbau im Kanton Luzern im 17. und 18. Jahrhundert», welche in der Folge mehrfach zitiert wurde 1). Mit dieser Studie erwarb er sich als erster dipl. Architekt der Schweiz den Doktortitel (gemäss Nachruf "Der Geschichtsfreund 103. Band 1950", Seite 312).
 

1915-1916 erhielt er bei Firma Gschwind und Higi in Zürich die erste Anstellung. Er wurde aber das Opfer der damals herrschenden Baukrise. 1917-1918 bearbeite er die Dissertation, wie oben erwähnt. Zwischenzeitlich übernahm er in Sursee stellvertretend den Zeichenunterricht an der Mittel- und Gewerbeschule. 1918 wurde er als Zeichenlehrer an das Lehrerseminar in Zug gewählt.

1920 übertrug ihm die Stadt Zug, zuerst nebenamtlich, dann 1921 vollamtlich den Unterricht an der Gewerbeschule für sämtliche Baufächer und für das Zeichnen und Malen der kunstgewerblichen Berufe an der neu errichteten Bauabteilung der Gewerbeschule in Zug. Bald wurde er als Abteilungsleiter berufen.

 

Ins Jahr 1939 bewarb sich Josef Mühle als Direktor der Kunstgewerbeschule in Luzern. Sein selber verfasster, handschriftlicher Lebenslauf ist im Staatsarchiv Luzern vorhanden. Sein Fokus lag im Aufbau einer Paramentenschule. Für seine Wahl als Direktor der Kunstgewerbeschule gaben dem BIGA und dem Luzerner Regierungsrat seine Erfahrung als Direktor der Zuger Gewerbeschule und die einschlägige Referenz des katholisch-konservativen Zuger Bundesrats Philipp Etter, des «Vaters» der Geistigen Landesverteidigung, wohl den Ausschlag (siehe Seite 3 der Schrift "Design & Kunst 140 Jahre der Hochschule Luzern). Von den vielen Zeitungsberichten über seine Ernennung sei nur die eindrücklichste "Die Woche im Bild" erwähnt.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit amtete er als Präsident der literarischen Gesellschaft. Er verfasste sehr viele eigene Schriften oder Beiträge in Zeitungsfeuilletons, Er organisierte aber auch Vortragsabende wie z.b. mit Meinrad Inglin. Weiter war er Ehrenpräsident des Zuger Vereins für Heimatgeschichte (Geschichtsfreund 1939, Seite XXIV),  widmete er sich aber auch noch kunsthistorischen Studien. Er arbeitete jahrelang an den «Zuger Neujahrsblättern» mit (z.B. Beitrag von 1930 über die Zuger Kunstpflege), veröffentlichte 1929 das Buch "Die Stadt Zug und Ihre Kunst", begründete den katholischen Schülerkalender «Mein Freund» (siehe Schweizer Schule 1942, Seite 197) sowie die Volkshochschule Zug. Auf der anderen Seite malte Josef Mühle landschaftliche, städtische und Familien-Motive, manche Ölgemälde wurden im Zuger Neujahrsblatt von 1937 portraitiert. Er selber hat Bilder von Johann Küderli (s. 31), Fritz Kunz, Martin Peikert und Emil Dill in den Zuger Neujahrsblättern gewürdigt. Zudem illustrierte er Schulbücher.

Seine Faszination für den Kirchenbau, die Kombination von Architektur und Kulturhistorik brachte er bei der Aussenrenovation der Oswaldkirche in Zug als Mitglied der Baukommission mit ein. Erwähnt sei sein detailreicher Beitrag im Zuger Neujahrsblatt von 1934 (Seite 11ff). Er war künstlerischer Berater beim Bau der Guthirtkirche in Zug und Vorstandsmitglied, entwarf den neuen Osterleuchter und den Katafalk für Trauergottesdienste in der Michaelskirche, weiter die Weihnachtskrippe für die Oswaldkirche in Zug. Nach seinem Wechsel nach Luzern befasste sich Josef Mühle mit der Franziskanerkirche, gab die Festschrift für die 700jahr-Feier heraus und schrieb ein Buch über die Kirche "Zu Franziskanern in Luzern". Link zu seinen literarischen Projekten.

Gemäss Nachruf "Der Geschichtsfreund 103. Band 1950", Seite 312 arbeitete Josef Mühle auch in Luzern neben seiner Tätigkeit als Direktor der Kunstgewerbeschule auch als Inspektor der Berufsschulen, als Mitglied der schweizerischen Lehrmittelkommission, als Inspektor für Zeichnen an der Kantonsschule Luzern.

Der Eheschliessung mit Martha Hediger aus Zug (12.07.1898-05.10.1986) am 16.07.1925 entstammten zwei Söhne, Wolfgang (1928-2019) und Herbert. Wolfgang diente als Motiv für die Malerei aber vorallem auch seine Frau Martha sowie deren Schwestern Anneliese und Gertrud Hediger.

Josef Mühle unternahm verschiedene Reisen: Österreich 1922, Italien 1923, 1933 und 1934, Frankreich 1925, 1931, 1932 und 1935.

Josef Mühle starb am 7. Mai 1950 an einem Schlaganfall im Alter von 60 Jahren. Sein Tod wurde in unzähligen Tageszeitungen vermerkt, vornehmlich in Luzern und Zug.

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Seine Frau Martha gab sich alle Mühe, das Werk von Josef Mühle mit über 80 Werken (Ölgemälden, Aquarellen und Zeichnungen) zusammenzuhalten (nicht eingerechnet sind einige Gemälde und Aquarelle, die Josef Mühle zu Lebzeiten veräusserte) sowie alle Zeitungsartikel, Berichte und Fotos. Nach ihrem Tod wurden die Gemäle unter den Brüdern aufgeteilt. Nachdem Herbert, der kinderlos blieb, sich altershalber verkleinern musste, gingen die Bilder in zwei Etappen an Wolfgang über. Die beiden Brüder haben sich nie gut verstanden, vermutlich haben sie sich darum nicht ernsthaft mit dem Nachlass ausenandergesetzt. Erst nach dem Tod seiner Eltern erhielt der einzige Sohn von Wolfgang, Alexander (15 Jahre nach dem Tod von Josef Mühle geboren), die Ehre und herausfordernde Aufgabe, den Nachlass von Josef Mühle zu dokumentieren und einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Glücklicherweise waren alle Zeitungsartikel, Berichte und Fotos auch über 70 Jahre nach dem Tod von Josef Mühle noch verfügbar sowie Vieles, wie die Zuger Neujahrsblätter, bereits digitalisiert.

1) Erwähnung/Zitierung Dissertation