Rezensierte Bilder von Dr. Josef Mühle
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Révue moderne illustrée des arts de la vie, Paris, 30.12.1931

"Salon National des Beaux-Arts de Genève"
Josef Mühle hat vor allem einen ausgeprägten Sinn für Licht und beweist dies mit einer glücklichen Eleganz des Ausdrucks in seinem Beitrag für den Salon National de Genève, "La Zeughausgasse à Zoug".  Es ist ein frischer Eindruck, mit großen grünen Schattenmassen und sehr hell erleuchteten Flächen.  Mühle hat das Morgenlicht mit viel Sensibilität und großer Aufrichtigkeit wiedergegeben. Seine schlichte und nüchterne Kunst geht von einer unvoreingenommenen Objektivität - der Beobachtung - aus, ohne sich mit der Schule zu befassen. Es wäre ein Fehler, Mühle auf eine Formel zu bringen. Der Schweizer Maler bleibt der treue Interpret einer direkten Vision und begnügt sich nicht ohne Grund damit, in diesem Sinne dem vorgezeichneten Weg zu folgen.

Hinweis: Das Bild wurde an Dr. Felder in Luzern verkauft.

 

Zuger Neujahrsblatt von 1937, Rezension von Dr. Theodor Hafner

Bilder und Textwiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Gemeinnützigen Gesellschaft Zug

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Zu Mühles beglückendsten Leistungen zähle ich zwei kleine Straßenbilder französischer Landstädtchen. Argentine!  ...

 

 

 

 

 


...In Bagnole dagegen sind wunderbare Blau, überall auftauchende und wieder verhuschende smaragdene Grün, flockige Grau und rotuntermischte Gelb mit Siena aufgeboten, die Atmosphäre eines aufstrebenden Badestädtchens zu schaffen, das seinen Gästen mindestens den Abglanz einer Avenue bieten möchte...

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...Aber nun die Poststraße in Zug? Ich will niemanden beleidigen! Aber sage mir jedermann ehrlich: Wenn Fremde durch die Schönheiten Zugs geführt werden müssten, wem käme in den Sinn, just das äußere Ende der Poststraße zu zeigen? Und doch versteht Mühle auch da Schönheit zu finden...

Hinweis: Dieses Bild wurde vermutlich verkauft.

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...Muß die Seide der Zugertracht nicht jeden Kenner entzücken und reizen, die Qualität dieses Taffets prüfend durch die Finger gleiten zu lassen! Man täte Mühle unrecht, dieses Trachtenbild in erster Linie als Portrait aufzufassen. Er schuf ein Märchen von Seidenpracht und Spitzenduft und Linnenweiß, biegsamem gelbem Stroh, gestickten Blumen, mattglänzendem Zinn und gab allem das geheime Fluidum bei, das alten Truhen entsteigt und ihre Schätze fast riechbar umzittert. Und die Schöne mit dem schweren schwarzen Haar trägt ja auch die ganze Pracht mit der Vorsicht, die echter, Jahrhunderte alter Schmuck auferlegt. Es ist nun durchaus typisch für des Künstlers Objekterfassung, daß er die Trägerin der Farbigkeit und der Schönheit
der Tracht, d. h. dem Farbenwunder unterordnet, sie beinahe in die Tracht entrückt und ihr den Wert von dieser Tracht her gibt, gewissermaßen also von der Farbe her die Form aufbaut...

(Hinweis: Abgebildet ist Anneliese Hediger (1900-1991), Schwägerin des Malers.). Bild ab April 2022 im Besitz des Museums Burg Zug

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...Und darauf dieses Balkonstück! So eine simple Balkonecke! Aber schon die Schweifung des Eisengeländers bringt einen heimlichen Aufschwung in sie. Und da greift aus dem satten Dunkelgrün der linken Balkonecke eine ganz dichte Heimlichkeit in das Miteinandersein der beiden Frauen hinüber. Wie ein geheimnisvoller
Anruf der Natur steigt es aus ihr, sammelt die beiden Gestalten in den grauen Gartenstühlen zu sich ein und verwebt sie in die eigene Zwiesprache von Grün zu Grün...

...Aber all diesen Bildzauber gibt das Schwarz-Weiß der Reproduktionen leider nicht wieder, läßt ihn kaum ahnen und versagt somit in der Wiedergabe des Hauptmittels, mit dem Mühle seine Schau der Dinge ausdrückt: der Farbe. Sie gehorcht ihm mehr
als die Linie. Sie scheint jedem seiner Winke gefällig. Sie gibt sich ihm hin. Aber wie er sie meistert, sie nicht zuchtlos laut werden läßt, sondern ihre edleren, heimlicheren Werte pflegt und zu wohltuendem Zusammenspiele führt, das bezeugen die beiden Farbentafeln... (Bild "Zugertracht" und "Blick auf Stadt und See", in Farbe abgebildet im Zuger Neujahrsblatt von 1937)

Anmerkung: Das Bild Balkonecke ist insbesonders interessant, da das rezensierte Bild (Schwarzweiss-Abbildung oben) vermutlich verkauft und dann von Josef Mühle ein zweites Mal gemalt wurde. So unterscheidet sich die Struktur des Stuhls (obwohl das Kissen identisch ist), die Kopfhaltung der Dame links und die zweite Dame ist nun ein Jüngling. Auch der Hintergrund ist ganz ein Anderer und das Geländer verschwindet fast.

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...Mit dem Blick auf Stadt und See gelingt dem Maler eindeutig das zwischen Berg und See geschlossene Städtchen, das nicht notwendig Zug zu sein braucht und doch den Charakter Zugs ausgezeichnet gibt: die kleine Stadt, in die man vom Berg
herunterkommt, durch die man schnurgerade an den See gelangen muß. eine Stadt, beiden verwachsen: dem Berg, auf dessen Fuß sie steht, dem See, dessen Luft über ihre Dächer weht...

Weitere Erwähnungen/Ausstellungen:

  • Eröffnungsaussellung im Kunsthaus Luzern, 1933 gem. Künstlerlexikon, ev. war das die Frühjahrsausstellung der Luzerner Kunstgesellschaft, Feuilleton des Vaterland vom 23.05.1933, Luzerner Tagblatt vom 20.05.1933, Luzerner Neuste Nachrichten vom 20.5.1933

  • Ausstellung lebender Künster im neuen Museum, Vaterland 30.1.1934

  • 9.12.1934-6.1.1935, Luzerner Tagblatt vom 19.12.1934 und Vaterland vom 22.12.1934

  • Kunst an der Zugerwoche im Casino Zug, Zuger Nachrichten 04.12.1935

  • Weihnachtsausstellung der Kunstgesellschaft Luzern, 9.12.-6.1.1935, Zeitung unbekannt, da Kopf abgeschnitten

  • Gesellschaftsausstellung GSMBA 1935, Zürich

  • Frühjahrsausstellung im Kunstmuseum Luzern, 15.3.-15.4., Luzerner Neuste Nachrichten vom 17.03.1936

  • Jubiläumsausstellung im Kunsthaus Luzern, Luzerner Tagblatt vom 25.9.1936, Luzerner Neuste Nachrichten vom 15.09.1936 und Vaterland vom 26.9.1936

  • Weihnachtsausstellung im Kunshaus Luzern, Vaterland 23.12.1937

  • Frühjahrsausstellung der Kunstgesellschaft Luzern, 1941

  • Gesellschaftsausstellung GSMBA, Luzern 1944

  • Weihnachtsausstellung der Kunstgesellschaft Luzern, 1947

  • Weihnachtsausstellung im Kunstmuseum Luzern, Luzerner Neuste Nachrichten, 1.12.1949 und Vaterland 31.12.1949

Sonstige Werke:

  • Banner für die Jünglingstagung Sursee, gemäss Vaterland vom 09.05.1921

  • Litographie für die Sektion Luzern der Gesellsellschaft schweiz. Makler, Bildhauer und Architekten, Zuger Nachrichten vom 19.03.1934

  • Plakat für den kath. Turnverband 22-23. Juli 1933

  • Plakat für das 6. zentralschweizer Jodelfest vom 5. August in Zug, Zuger Volksblatt und Zuger Nachrichten vom 16.07.1934

Würdigung durch Alexander Mühle

Die Erinnerungen des Sohnes Wolfgang von Josef Mühle waren dürftig, schlussendlich war er beim Tode seines Vaters 22 Jahre alt, in einer Lebensphase in der andere Interessen vorherrschten, und nach 65 Jahren ist die Erinnerung verblasst. So konnte ich noch einige Bruchstücke von meinem Vater erfahren, es war aber wenig.

Bei der Erarbeitung dieser Website und beim Aufbau der Ausstellung sind mir drei Dinge aufgefallen:

1. Josef Mühle verwendete für seine Bilder neue Rahmen oder Goldrahmen und übermalte diese teilweise um sie mit dem Bild zu verschmelzen. Besonders bei Goldrahmen ist es ungewöhnlich, dass diese übermalt wurden.

2. Sein Schaffensdrang reflektierte sich darin, dass ihm jede Unterlage recht war. Es musste nicht immer Leinwand sein. Auch Karton oder MDF war recht für die Ölmalerei. Auch hat er Aquarell-Studien für seine Ölgemälde teilweise auf der Hinterseite von Prüfungsarbeiten (Bleistiftzeichnungen) der Schüler erstellt oder auf der Hinterseite von Dekomustern. Teilweise verwendete er sein eigenes Werk um auf der Hinterseite ein anderes Werk zu malen. Aquarell oder Öl war dabei egal. Es kann natürlich auch sein, dass das Material zu dieser Zeit knapp war. Aber trotzdem zeugt das gesamte Erbe von einem unbändigen Schaffensdrang.

3. Um Schaffen von Josef Mühle in irgend einer Art kategorisieren zu können, habe ich 4 Phasen identifiziert. In der Frühphase waren Stilleben der Fokus. In der "Zugerphase" um 1930-1939 hatte er seine meisten Werke geschaffen, vorallem mit Stadt/Land/Personen-Motiven. Als er 1939 als Direktor der Kunstgewerbeschule in Luzern berufen worden war, die als katholisch galt, begann seine "Luzerner-Phase". Dies befruchtete ihn mit neuen Motiven. So kamen religiöse Motive in den Fokus aber auch eine Art Monumentalismus. In der lezten Phase ist die Tendenz zu einem ganz andereren Stil klar erkennbar. Während er in der Zugerphase klare Linien und Gesichter malte und eine gewisse Heiterkeit in den Bildern zum Ausdruck brachte, so werden Personen später nur noch schemenhaft dargestellt und und eine andere Farbgebung zieht sich durch die Bilder. Es ist eine spannende, bereichernde Zeitreise in die Farbenwelt von Josef Mühle.

Über 80 Ölgemälde, Aquarelle und Zeichnungen sind erhalten.